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Ur- und frühgeschichtliche Sammlungen

Das obere Unstrutgebiet zählt zu den reichsten archäologischen Fundlandschaften Thüringens. Seit über 100 Jahren wird hier von Fachwissenschaftlern und ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegern eine intensive und systematische archäologische Geländeforschung betrieben. An den Mühlhäuser Museen (bzw. den Vorgängereinrichtungen) ist durch eine seit 1952 eingerichtete fachwissenschaftliche Besetzung durchgängig bis heute die Erweiterung und wissenschaftliche Bearbeitung der ur- und frühgeschichtlichen Sammlung, die zu den umfangreichsten und bedeutendsten ihrer Art in Thüringen zählt, gewährleistet. Bei der wissenschaftlichen Erschließung der Sammlung arbeiten die Mühlhäuser Museen eng zusammen mit dem Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie.

Die Sammlung umfasst mehrere tausend gut dokumentierte Komplexe mit über 300 000 Einzelobjekten aus allen vom Beginn der Jungsteinzeit bis zum frühen Mittelalter in Nordwestthüringen bekannten archäologischen Kulturen und Besiedlungsphasen und bildet damit ein wissenschaftlich wie kulturhistorisch äußerst wertvolles Quellenmaterial zur Erforschung der Ur- und Frühgeschichte Thüringens. Zu betonen ist, dass ein Großteil des Bestandes, wie für wissenschaftlich-archäologische Sammlungen charakteristisch, aus fragmentierten Gegenständen besteht (insbesondere Tongefäßscherben, Bruchstücke von Steingeräten, Tierknochen, menschliche Skelettreste), deren hohe wissenschaftliche Aussagekraft als originäres Quellenmaterial für die Erforschung der frühen Besiedlungsgeschichte in der Region von unschätzbarem Wert ist. 

Zu nennen wären etwa eine Fülle von Siedlungs- und einige Grabfunde der spätneolithischen Wartbergkultur (2. Hälfte 4. Jahrtausend v. Ch.), deren Charakteristika eine eigene Lokalgruppe dieser Kultur wahrscheinlich machen; des Weiteren das in den 1990er Jahren teilweise untersuchte Brandgräberfeld der jüngeren vorrömischen Eisenzeit und römischen Kaiserzeit von Körner (3. Jh. bis 2. Jh. n. Ch.) mit dem bislang größten mittellatènezeitlichen Gräberbestand Thüringens. Besonders hervorzuheben sind auch der im Vergleich zu anderen Regionen Mitteldeutschlands beachtliche Bestand an provinzialrömischen Funden des 1. bis 4. Jh. n. Ch. (Münzen, Keramik- und Buntmetallfragmente, Schmuck- und Trachtbestandteile, Militaria etc.) aus germanischem Kontext sowie die bedeutenden merowingerzeitlichen Grabinventare mit Edelmetallschmuck, Waffen, Glas und Bronzegefäßen von Mühlhausen und Ammern (5. bis 7. Jh. n. Ch.). Darüber hinaus ergänzen die hoch- bis spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Sachzeugen im Sammlungsbestand die schriftliche Überlieferung in der Region und tragen so zu einer komplexeren Rekonstruktion des Lebensbildes dieser Zeit bei.